Ein Korn für Afrika

Gepostet von am Dez 27, 2011 in Kurzgeschichten | Kommentare deaktiviert für Ein Korn für Afrika

Ein Korn für Afrika

Wie lange ich schon unterwegs war wusste ich nicht. Ich hörte das Rattern und Knattern unter mir und es schüttelte mich ganz schön durch auf dieser staubigen Ladefläche zwischen den vielen Säcken. In einem von ihnen wurden meine Schwestern und Brüder gefangen gehalten. Durch eine Ritze der Plane sah ich den Nachthimmel und, um mich von der Tortur der langen holprigen Fahrt zu erlösen, träumte ich mich zurück in meine Jugendzeit, wo ich mit meinen Geschwistern geborgen in einem Halm heranwuchs, so wie die Sterne sich in den Nachthimmel schmiegten. Als ich aufwachte fühlte ich mich endlos...

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Es ist genug

Gepostet von am Dez 23, 2011 in Kurzgeschichten | Kommentare deaktiviert für Es ist genug

Es ist genug

„Nun ist es genug!“ Mühsam steht sie auf. Hasserfüllt starrt er sie an:  „Deinetwegen zerbricht die Familie! Du bist schuld!“ Sein Schlag trifft sie mitten ins Gesicht. Sie stürzt erneut. Sie kann nicht mehr, sie dreht sich um und geht.   Die Polizei nimmt ihn mit. Nach fünf Monaten ist er wieder da. Er geht in sein Land um zu beten, denn ihr und den Kindern darf er sich nicht mehr nähern.   Gebet und Waffe im Gepäck kommt er zurück. Ein letzter Versuch. Ein letzter Streit. Dann schiesst er und lässt sie liegen, da in ihrem Blut. Jetzt ist es gut.   © Carolyn Pini,...

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Von Angesicht zu Angesicht

Gepostet von am Dez 23, 2011 in Kurzgeschichten | Kommentare deaktiviert für Von Angesicht zu Angesicht

Von Angesicht zu Angesicht

Von Angesicht zu Angesicht, ganz nah und dicht, doch erschreckend unnahbar zugleich und was besticht, das schöne Gesicht, es sieht mich nicht. Die Augen so nah, eisig feurig liebend, die Wimpern zittern, Lider die sich schliessen. Herz öffne dich und sage mir, dass du mich liebst. Es scheint nicht wirklich, nicht echt, es will mich anders, denn ich bin so nicht recht. Mein Mund sich dem anderen zaghaft nähert, ein beschlagener Hauch sich über unsere Lippen zieht. Mein Kuss zart die andere glatte Seite dort berührt, erschreckend trifft sie mich. So kalt, so abweisend, mein Spiegelbild, das...

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Rabenacht

Gepostet von am Dez 23, 2010 in Kurzgeschichten | Kommentare deaktiviert für Rabenacht

Rabenacht

Rab hab acht Im Nest dicht an dicht, vier junge Raben mit regennassem Gefieder. Heiseres Krächzen, den Wurm noch unverdaut. Offene Schnäbel hungrig und laut. Ein Räblein fällt hinaus. Doch Schwingen ohne Gefieder zum Fliegen nur wenig taugen. Die anderen verlieren es aus den Augen, doch bleibt ihr Geschrei. Ein Fuchs, den Baum schon lange umkreist, mit schmalem Blick die magere Beute verspeist. Die Hexe tritt aus ihrem Haus. „Was soll das Krächzen, das üble Geschrei?“ Ein Blick und alles ist klar. „Diese magere Beute gehört mir. Geh weiter Herr Fuchs, such ein anderes Frühstück dir.“ Den...

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Katzentod

Gepostet von am Dez 23, 2010 in Kurzgeschichten | Kommentare deaktiviert für Katzentod

Katzentod

Die Katze und der Tod Felix miaut auf seinem Stein. Allein. Üppig duftender Sommerwind streicht durch sein rostrotes Fell. Seine Nackenhaare sträuben sich. Kein Vogel singt. Felix spürt sein Kommen. Über den Abendfunken reitet er mit dem Sommerwind. Felix schliesst die Augen und erwartet der Sense Schlag. „Wach auf Felix“ spricht der Tod. Dabei streichelt er über das seidige Fell, sanft mit knochiger Hand. Überraschung spiegelt sich in der Katze bernsteinfarbenem Blick. Sie sieht direkt hinein, in die knochig leeren Augenhöhlen des Todes. „Nicht dich hole ich, eine Gabe bring ich dir.“...

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Zeckweg

Gepostet von am Dez 21, 2010 in Kurzgeschichten | Kommentare deaktiviert für Zeckweg

Zeckweg

Der Zeck ist weg Auf einem Grashalm sitzt, am Rand des frühlinglichten Waldes, ein kleiner Zeck. Durch das regennasse Grün er krabbelt. Der Regentropen an der Spitze blitzt. Alleine ist er nur, von Brüdern keine Spur. Lange krabbelt er so durch das hohe Gras. Er frisst, geniesst und schweigt. Den dunklen Schatten sieht er fallen, doch viel zu spät. Da sitzt er nun plötzlich in einem Glas. Kopf und Bein stösst er sich, verzweifelt krabbelnd, an der glatten Wand. Er denkt an seine Jungend, als Larve erst und dann im Nymphenland. Er ist ein alter Zeck, mit Mut, der spricht: „Ich muss hier weg.“...

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