Gepostet von am Dez 23, 2010 in Kurzgeschichten | Kommentare deaktiviert für Katzentod

Die Katze und der Tod

Felix miaut auf seinem Stein. Allein.

Üppig duftender Sommerwind streicht durch sein rostrotes Fell. Seine Nackenhaare sträuben sich. Kein Vogel singt. Felix spürt sein Kommen. Über den Abendfunken reitet er mit dem Sommerwind.

Felix schliesst die Augen und erwartet der Sense Schlag.

„Wach auf Felix“ spricht der Tod. Dabei streichelt er über das seidige Fell, sanft mit knochiger Hand.

Überraschung spiegelt sich in der Katze bernsteinfarbenem Blick. Sie sieht direkt hinein, in die knochig leeren Augenhöhlen des Todes.

„Nicht dich hole ich, eine Gabe bring ich dir.“

Spricht’s und reitet davon in die dunkle Nacht.

Die Katze hat nun Macht.

 

 

Der Katze Tod

Leise schleichen die Samtpfoten auf grüngesprenkeltem, glänzendem Linoleum. Felix wandert.

Ein Sprung nur durch ein Fenster. Vom dunklen Morgengrau in einen unpersönlich abweisenden Korridor. Felix sucht.

Der kleine rostbraune Todesengel schlüpft durch eine halboffene Tür. Dort steht das Bett von Dora. Felix findet.

Dora wacht: „So kommst du nun zu mir?“

Er legt sich auf die weisse Decke über ihrem Bauch. Sanft streichelt sie sein seidenweiches Fell. Eine watteruhige Schneedecke aus Trost legt sich über ihr Gemüt. Felix schnurrt.

So liegen sie beide. Im Fenster das Grau des Morgens schwindet. Der letzte Atemzug. Der erste Sonnenstrahl.

Dora endet.

Felix geht.

 

 

Des Todes Katze

Die knochige Hand streichelt das rotbraune Fell der Katze. „Du machst deine Sache gut.“ Felix strahlt.

„Des Menschen Todesfurcht schwindet, wenn du bei ihm bist.“ Der hohle Blick bohrt sich in die bernsteinfarbenen Augen der Katze.

„Doch auch dein Leben ist endlich, kleiner Felix.“ Der Tod krault die weisse Kehle. Felix fröstelt.

„Es ist dein Fell. Die Illusion der Sanftheit.“ Nachdenklich. Die Knochenhand streicht sanft über Felix Kopf.

„Eine Knochenkatze ist trostlos.“ Der Tod sinniert.

„So mögest du also ewig leben.“

Der Tod krault das weiche, warme, rote Fell und Trost steigt in ihm auf. Nicht mehr allein. Felix schnurrt.

 

© Carolyn Pini, 2010